VN-Heimat-Interview. Kulturreferent Landtagsabgeordneter Daniel Steinhofer (38)

Die Kultur prägt das gesamte Leben

Kulturreferent Daniel Steinhofer hat einige interessante Projekte in Vorbereitung. Foto: privat

Kulturreferent Daniel Steinhofer hat einige interessante Projekte in Vorbereitung. Foto: privat

Das Gute und Schöne bewahren, doch auch Neues entdecken und etablieren.

Lustenau. (bet) Seit gut sieben Jahren ist Daniel Steinhofer als Kulturreferent in Lustenau tätig und hat in dieser Zeit so manches auf „Schiene“ gebracht. Im Interview mit der VN-Heimat spricht er über die Herausforderung, kulturelles Engagement zu bündeln und die kulturelle Diversität zu stärken.

Die Saison 2016 gehört der Vergangenheit an. Waren Sie zufrieden?

Steinhofer: Ja, durchaus! Wir haben erfolgreich neue Formate, wie die „Hofkultur“ im Heidensand oder den Heimatabend „Bieroschnitz und Höüat“, präsentiert. Der historische Radrundweg, bei dem an 13 Standorten Aspekte der Geschichte vermittelt werden, wurde eröffnet. Und auch die Lustenauer Kulturvereine – seit letztem Jahr sind es 32 – haben sich hervorragend entwickelt.

Gab und gibt es Profilthemen der Kulturpolitik, die gesondert Aufmerksamkeit verdienen?

Steinhofer: Natürlich, wir erleben in Lustenau gerade jetzt eine tiefgreifende Veränderung in der Museumslandschaft, wo sich – ohne bereits zu viel verraten zu wollen – räumlich und gestalterisch Veränderungen ergeben werden. Daneben gilt auch weiterhin, dass wir die Arbeit im Historischen Archiv intensiv fördern und nach Möglichkeit ausbauen wollen. Die Potenziale eines hoch motivierten und fachlich hervorragend aufgestellten Teams müssen wir hier einfach ausschöpfen.

Welche Schwerpunkte in der kommunalen Kulturpolitik wollen Sie in den Jahren 2017 bis 2020 und ggf. darüber hinaus setzen?

Steinhofer: Im Sinne der Subsidiarität ist nach wie vor meine oberste Devise, die Arbeit der Kulturvereine nach besten Kräften zu unterstützen und sie bestmöglich zu betreuen. In unseren Kulturvereinen wird Top-Arbeit geleistet und es werden kulturelle Höhepunkte geschaffen, die weit über unsere Gemarkungen hinaus strahlen. Daneben gilt es auch weiterhin, einzelne Schwerpunkte, sei es im Konzert- und Theaterbereich, in der Arbeit in unserer Galerie Hollenstein oder in der Auseinandersetzung mit unserer Geschichte, zu setzen.

Wie wollen Sie das Thema Kulturpolitik in der Gemeindeverwaltung künftig strukturell verankern? (Kulturelle Fachämter/Aufgabenerfüllung usw.) Sehen Sie Veränderungsbedarf?

Steinhofer: Wir sind hier hervorragend aufgestellt! Unsere Kulturamtsleiterin Olivia Zischg sorgt mit ihrem kompetenten Team, auf das sie in allen Themenbereichen zurückgreifen kann, für hochwertige Arbeit, Servicequalität und die „Lustenauer Note“ in der Vorarlberger Kulturlandschaft. Mir ist auch sehr wichtig, dass Verwaltung und Politik eng zusammenarbeiten. Und das funktioniert weiterhin hervorragend.

Halten Sie eine fachlich versierte Besetzung kulturpolitischer Schlüsselpositionen für längst überfällig, für nicht nötig oder auch schlichtweg für nicht leistbar?

Steinhofer: Ich bin der Meinung, dass schon bisher kulturpolitische Schlüsselpositionen mit äußerst kompetenten Menschen besetzt wurden. Man wird es natürlich nie allen recht machen können. Aber ich denke, dass neben der fachlichen Qualifikation auch die Sozialkompetenz eine wesentliche Rolle spielt und es nicht zuletzt Menschen braucht, die das Ganze im Auge behalten.

Sehen Sie ein kulturpolitisches Ungleichgewicht in dem Sinne, dass aufgrund der finanziellen Ausstattung der großen Kulturinstitutionen (Vereine) die sogenannte freie Szene benachteiligt ist? Wenn ja, welche Maßnahmen planen Sie, um das zu ändern?

Steinhofer: Aus unserem Budget fließen fast 50 % der Mittel in die sogenannte freie Szene. In Lustenau sehe ich das also durchaus ausgewogen. Für mich ist grundsätzlich wichtig, dass die Höhe von Förderungen nachvollziehbar ist und dass die Gebietskörperschaft auch weiß, wofür das Geld ausgegeben wird. Hier braucht es einen intensiven Austausch und nicht das Ausschütten eines üppigen Füllhorns.

Welche Wirkungen beziehungsweise welche positiven „Synergieeffekte“ erhoffen Sie sich denn durch Veranstaltungsangebote der Gemeinde für alle Schichten der Gesellschaft?

Steinhofer: Die Angebote im Lustenauer Kulturprogramm müssen für alle leistbar sein. Davon erhoffe ich mir, dass möglichst viele Menschen dieses in Anspruch nehmen. Und bei dem vielseitigen Programm, das in Lustenau angeboten wird, sollte für jeden etwas dabei sein. Wichtig sind mir in diesem Zusammenhang auch die Familientarife in der Musikschule, die es gerade auch kinderreichen Familien ermöglichen sollen, sich den Unterricht in der Musikschule leisten zu können.

Was muss die Politik leisten, um bürgerschaftliches Engagement zu fördern?

Steinhofer: Zuhören und in die Entscheidungsfindung einbinden. Es wird sich nur dann jemand dafür begeistern lassen, z.B. an der Entwicklung seiner Heimatgemeinde mitzuarbeiten, wenn er auch sieht, dass seine Meinung ernst genommen wird und er auch etwas bewirkt. Es kann nicht funktionieren, wenn man nach dem Motto „Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht“ arbeitet.

Was wird konkret in Lustenau getan, um Neues entstehen zu lassen?

Steinhofer: Wir sind zunächst einmal offen für Neues und haben keine Angst vor Veränderungen. Das heißt nicht, dass wir uns unüberlegt in Neues stürzen. Wir beobachten sensibel und denken auch abseits der Tagesarbeit nach, wo wir uns weiterentwickeln müssen und können.

Welche Probleme tun sich auf, wenn ein neues Format etabliert werden soll?

Steinhofer: Das sind meistens rechtliche Gegebenheiten, die eine unkomplizierte Etablierung – vor allem, wenn es um bauliche Geschichten geht – verhindern. Grundsätzlich lassen wir uns von Problemen aber nicht länger aufhalten, sondern suchen nach Lösungen.

Nach außen macht Lustenau eher den Eindruck, dass hier konstruktiv miteinander gesprochen wird.

Steinhofer: Das stimmt. Die Parteipolitik lässt sich natürlich nicht überall vermeiden. Aber im Kulturbereich arbeiten alle Politiker, Gemeindeangestellten und Kulturschaffenden wertschätzend und auf Augenhöhe zusammen und das schafft ein ganz besonderes Klima, das für mich meine Arbeit als Kulturreferent so großartig macht.

Zur Person

Daniel Steinhofer

» Beruf: Landtagsabgeordneter/Versicherungsangestellter

» Hobby: Lesen, Musik

» Lebensmotto: „Hô ma richt’s“

» Was bedeutet Heimat für Sie? Lustenau

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