Antikes Paar in modernen Folientunnel

David DQ Lee überzeugte als Orpheus ebenso wie Keri Fuge als Gott Amor.  Foto: VN/SAMS

David DQ Lee überzeugte als Orpheus ebenso wie Keri Fuge als Gott Amor. Foto: VN/SAMS

Glucks Oper „Orpheus und Eurydike“ am Landestheater im Theater-Abo.

Lustenau. (sch) Die schon traditionelle Oper im Theater-Abo brachte am Sonntag auch heuer wieder zahlreiche Lustenauer Opernfreunde ins Bregenzer Theater am Kornmarkt. „Orpheus und Eurydike“, die berühmte Oper des deutschen Barockkomponisten Christoph Willibald Gluck (1714–1787), aufgeführt als Koproduktion des Vorarlberger Landestheaters mit dem Symphonieorchester Vorarlberg, erwartete die Besucher. Die musikalische Leitung hatte der als Barockspezialist renommierte deutsche Dirigent Michael Hofstetter, Regie führte der Intendant des Landestheaters, Alexander Kubelka. Drei hervorragende Sängerinnen beziehungsweise Sänger verkörperten das Solisten­ensemble des Dreipersonenstücks.

Poesievoller Start

Die Aufführung beginnt sehr poesievoll. Der bunte, quirlige Gott Amor schmückt die Bühne mit weißen Blumen. Dann zieht ein Leichenzug herein; die tote Eurydike liegt aufgebahrt in einem riesigen durchsichtigen Folientunnel wie einst Schneewittchen, begleitet von schwarzen Geistergestalten mit weiß geschminkten Schädeln. Die Tote wird „entladen“, und nun beginnt (soll beginnen) die bekannte Story des berühmten Sängers Orpheus und seiner Gattin, der Nymphe Eurydike, die ihm durch den Tod entrissen wurde und nun in der Unterwelt weilt.

Gott Amor führt den Trauernden auf Geheiß des Zeus in den Hades. Er darf seine Gattin wieder ins Reich der Lebenden führen, wenn es ihm gelingt, die Furien zu besänftigen; mit der Bedingung allerdings, beim Gang ins Elysium der Gattin nicht ins Gesicht zu blicken. Orpheus tut dies aber, worauf Eurydike zum zweiten Mal stirbt. Der pfiffige Gott Amor sorgt dennoch für ein Happy End, und das Paar entschwebt vereint in lichte Höhen.

Dirigent Michael Hof­stetter hat die Gluck-Oper bei der Grazer Styriarte konzertant realisiert. Nun, bei der erstklassigen musikalischen Qualität der Vorarlberger Produktion und der nicht adäquaten Inszenierung von Kubelka und Florian Etti (Bühne) mit zu wenig Konturen hätte man das andauernde Spektakel mit den bewegten „modernen“ Folientunnel und die praktisch nicht existierende optische Zweiteilung Hades/Elysium gern gegen eine bloß konzertante Aufführung mit den drei Protagonisten getauscht.

Überzeugende Solisten

Die grell auf Schwarz und Weiß gefärbten Furien, Nymphen etc. des klangschönen Bregenzer Festspielchores (Benjamin Lack) und vor allem das Solistentrio versöhnten für manche Regie-Leerläufe ohne Tiefgang. Der international bekannte, koreanische Countertenor David DQ Lee bot mit leuchtendem Sopran und großer Gestaltungskraft die seelischen Spannungen des Orpheus. Die deutsche Sopranistin Daniela Gerstenmeyer war eine stimmlich wie schauspielerisch berührende Eurydike und hätte den banalen Gag einer identen Puppe quasi als Alter Ego nicht gebraucht. Und Keri Fuge, die leichtfüßige britische Sopranistin als verschmitzter Gott Amor, agierte als der willkommene Farbtupfen der Aufführung. Das Symphonieorchester Vorarlberg glänzte auch unter dem Barockspezialisten Hofstetter mit einer gewohnt gediegenen Leistung.

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