Hohenweiler „ernteten“ im Spitalswald

Im Bereich des Klosters Gwiggen hat die Waldgemeinschaft vor 27 Jahren gut 56 Hektar Wald erworben.  FOTOS: STRAUSS

Im Bereich des Klosters Gwiggen hat die Waldgemeinschaft vor 27 Jahren gut 56 Hektar Wald erworben. FOTOS: STRAUSS

Agrar-Waldgemeinschaft holte im Winter überdurchschnittlich viel Holz aus ihrem Wald.

Hohenweiler. (VN-stp) Hunderte Baumstämme stapelten sich zum Jahresende im Hohenweiler Zentrum und machten viele neugierig, was denn hier abläuft. Die Erklärung: dieses Zwischendepot auf dem Parkplatz im Gemeindezentrum war notwendig geworden, weil die Agrar-Waldgemeinschaft 2016 eine „Rekordernte“ in ihrem Wald einfuhr. Rund 1000 Festmeter, etwa die doppelte Menge des üblichen Jahreseinschlags und auch mehr als in den Katastrophenjahren 1996 und 1999. 1996 gab es eine knapp zwei Hektar große Hangrutschung mit rund 800 Festmetern Schadholz, und dem Sturm Lothar waren 1999 rund 700 Festmeter Windwurfholz zu „verdanken“.

Dass die Baumstämme diesmal auf dem großen Parkplatz im Gemeindezentrum zwischengelagert werden mussten, bevor sie abtransportiert wurden, lag daran, dass der übliche Lagerplatz in direkter Nähe zum Wald für diese Menge nicht ausgereicht hätte.

2016 war eine Ausnahme

So viel Holz zu schlagen wie 2016 ist eine echte Ausnahme, denn in der Regel wird sorgsam darauf geachtet, dass das natürliche Gleichgewicht im Wald gewahrt bleibt. Die Statistik der österreichischen Holzindustrie weist aus, dass pro Hektar Wald jährlich rund neun Festmeter nachwachsen und andererseits durchschnittlich knapp acht Festmeter geschlagen werden. Das führt dazu, dass bundesweit der Holzvorrat geringfügig wächst – im Wald der Hohenweiler Waldgemeinschaft verhält sich das ähnlich.

Ungewöhnlich

Die Hohenweiler Agrar-Waldgemeinschaft ist eine ebenso bemerkenswerte wie ungewöhnliche Vereinigung. Und eine sehr junge dazu, denn es gibt sie erst seit knapp 30 Jahren. Seit 1989, denn damals hat die evangelische Hospitalstiftung Lindau ihren rund 56 Hektar großen Waldbesitz im Gemeindegebiet von Hohenweiler zum Kauf angeboten. Elf Millionen Schilling verlangten die Lindauer, und eine Gruppe Interessierter gründeten die Waldgemeinschaft und brachten diese Summe auf. 110 Anteile zu je 100.000 Schilling wurden von 32 Mitgliedern gezeichnet.

„Wachsende“ Kapitalanlage

Laut Statistik der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Holzindustrie entfallen auf jede Vorarlbergerin bzw. jeden Vorarlberger rechnerisch 135 Bäume. Für die 32 Mitglieder der Hohenweiler Agrar-Waldgemeinschaft gelten andere Maßstäbe – ihr Besitzanteil liegt bei mehr als dem Zehnfachen, und das ist in ihrem Fall nicht nur ein statistischer Wert, sondern eine handfeste Größe, denn ihnen gehören diese Bäume auch. Durch die gemeinsame Bewirtschaftung werden Kosten gespart und der Ertrag durch den jährlichen Einschlag respektive Verkauf optimiert, ohne die Substanz zu schmälern – im Gegenteil, diese wird in der Regel sogar größer – heuer war eine Ausnahme, weil mehr Holz geschlagen wurde, als nachgewachsen ist.

Bewusstseinsbildung

Die Gründung der Agrar-Waldgemeinschaft hatte jedoch nicht den finanziellen Aspekt im Mittelpunkt, wenngleich dieser angesichts der sicheren Geldanlage keineswegs zu vernachlässigen ist, vielmehr wollten die Mitglieder der Gemeinschaft auch ein Zeichen setzen, das zur Bewusstseinsbildung in Sachen Wald beiträgt. Es war die Zeit des Waldsterbens, als der Waldkauf abgewickelt wurde. Saurer Regen, Borkenkäfer, Windwurf und dann noch der katastrophale Winter 1988, der mit Lawinen vor allem dem Schutzwald zusetzte, hatten den Wald und seine massiven Bedrohungen in die Schlagzeilen gebracht.

Keine Kleinigkeit

Der Kauf von mehr als 56 Hektar Wald durch 32 Hohenweiler Waldgemeinschaftsmitglieder war mehr als eine symbolische Aktion, denn die 56 Hektar entsprechen knapp sieben Prozent der gesamten Gemeidefläche oder fast 16 Prozent der Hohenweiler Waldfläche – das ist alles andere als eine Kleinigkeit.

<p class="caption">Hunderte Baumstämme, die von der Agrar-Waldgemeinschaft Hohenweiler geschlagen wurden, mussten im Gemeindezentrum zwischengelagert werden.</p>

Hunderte Baumstämme, die von der Agrar-Waldgemeinschaft Hohenweiler geschlagen wurden, mussten im Gemeindezentrum zwischengelagert werden.

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