Halbes Autobahnzollamt ist Geschichte

Für die vielen Vignettenkäufer wurde neben der Baustelle ein gern in Anspruch genommener Imbisskiosk eingerichtet.

Für die vielen Vignettenkäufer wurde neben der Baustelle ein gern in Anspruch genommener Imbisskiosk eingerichtet.

Beim „österreichischen Teil“ leisteten die Abrissbagger noch vor dem Wintereinbruch ganze Arbeit.

Hörbranz. (VN-stp) „An den Bau der Raststation glaube ich erst, wenn die Bagger an der Arbeit sind“, war für den Hörbranzer Bürgermeister Karl Hehle nach langen Verzögerungen, Rückschlägen und Enttäuschungen zum geflügelten Wort geworden – doch zu Weihnachten durfte er endlich aufatmen und sich den fast abgeschlossenen Abbruch als symbolisches und ganz besonderes Weihnachtsgeschenk unter den Christbaum legen.

Abriss fast beendet

Die im November aufgefahrenen Abrissbagger hatten ihre Arbeit bis zur Weihnachtspause fast erledigt, und den einreisenden Urlaubsgästen bot sich ein völlig neues Bild. Statt der seit fast 20 Jahren vor sich hin verrottenden Ruine gab es Berge von Abbruchmaterial, einen kleinen verbliebenen, bereits ausgehöhlten Gebäuderest, die Vignettenverkaufsstelle in einem ehemaligen Speditionsbüro und davor einen Imbisskiosk.

Bis zur Rückreise der Weihnachts-/Neujahrs-Urlauber hatte sich die Szenerie grundlegend verändert – eine dicke Schneedecke hatte sich über die Baustelle auf dem Gelände des ehemaligen Autobahnzollamts gelegt. Genau genommen über die Baustelle, die nur eine Hälfte des Areals betrifft, denn die Raststätte samt Tankstelle wird nur einseitig – auf der Südseite, der Einreiseseite Richtung Vorarlberg – errichtet. Auf der Ausreiseseite bleibt der zum Binnenzollamt umfunktionierte deutsche Teil des früheren Autobahnzollamts bekanntlich bestehen. Das nicht mehr benötigte Flugdach wurde schon vor einigen Jahren entfernt.

Es geht zügig weiter

Die Pause über die Feiertage Weihnachten/Neujahr war nur von kurzer Dauer, denn die Betreiber des 17 Millionen Euro teuren Vorhabens wollen keine Zeit mehr verlieren, um die Raststätte im Juni 2018 eröffnen zu können.

Das Projekt umfasst ein Restaurant mit 250 Sitzplätzen, Take-away-Bereich und Terrasse, einen Shop, eine Tankstelle sowie Parkplätze für Pkw und Lkw. Ausreiseseitig sind neben den bestehenden Parkplätzen zusätzliche Lkw-Tank-Zapfsäulen geplant.

Letztes Aufbäumen

Die Projektgegner setzen zwar noch auf laufende Verfahren, die erneut zu einer Verzögerung, im für sie idealen Fall zu einer Verhinderung des Bauvorhabens führen sollen, aber die Betreiber sind zuversichtlich, dass diese Einsprüche erfolglos bleiben werden. Ein Ende der 1970er-Jahre beim Bau des Gemeinschaftszollamts enteigneter Grundeigentümer hält die damalige rechtliche Grundlage für die Enteignung durch die Umwidmung heute für nicht mehr gegeben und will deshalb sein Grundstück zurück. Auch Landesvolksanwalt Florian Bachmayr-Heyda hat sich mit einer Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof gewandt. Er ortet wie seine Vorgängerin Formalfehler beim Umwidmungsverfahren.

Ende endloser Geschichte

Dabei räumt sogar der Landesvolksanwalt ein, dass die Erfolgsaussichten gering sind, die Beschwerde keine aufschiebende Wirkung habe und die Projektbetreiber einen rechtsgültigen Baubescheid in Händen haben. „Wir sind froh, dass das Gelände aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und der Bau nun endlich losgehen kann“, so ein zuversichtlicher Klaus Schierhackl, Vorstandsdirektor der Grundstückseigentümerin Asfinag, im November 2016 in einem Statement gegenüber den VN. Nach dem ersten Schritt soll baldmöglichst mit dem Bau des neuen Radwegs entlang der Leiblach begonnen werden, so Joachim Nägele, Sprecher der Betreibergesellschaft Raststation Hörbranz GmbH (Rhomberg Bau, Schweizer „Gruppe Thurau“ als Restaurant- und Shopbetreiber, Tankstellenbetreiber Schindele aus Ravensburg), die nach mehr als zwei Jahrzehnten endlich ein „Ende der endlosen Geschichte“ sieht.

Seit 1995 geplant

Begonnen haben die Planungen praktisch mit dem Beitritt Österreichs zur EU am 1. Jänner 1995, der die Zollämter zwischen Österreich und Deutschland entbehrlich machte. Während man am Walserberg und in Suben die Gemeinschaftszollämter an der Autobahn zu attraktiven Serviceanlagen mit Hotel, Restaurant, Shop, Tankstelle usw. errichtete, blieb Hörbranz ein Schandfleck. Bis Juni 2018 soll sich das nun ändern, nachdem in den vergangenen mehr als 20 Jahren ein beispielloser Hürdenlauf einschließlich Volksbefragung (mit einer Zustimmung von über 74 Prozent) zahllosen Umplanungen und Verzögerungen durch Einsprüche bis hinauf zu den Höchstgerichten zu absolvieren war.

<p class="caption">Nur ein kleiner Gebäuderest überstand den Jahreswechsel, weil hier wegen der Unterführung, die erhalten bleibt, behutsam abgerissen werden muss.  FOTOS: STRAUSS</p><p class="caption" />

Nur ein kleiner Gebäuderest überstand den Jahreswechsel, weil hier wegen der Unterführung, die erhalten bleibt, behutsam abgerissen werden muss. FOTOS: STRAUSS

<p class="caption">Mehr als 20 Jahre lang bot das ehemalige Autobahnzollamt einen traurigen Anblick (oben), jetzt wurde daraus eine Baustelle.</p><p class="caption" />

Mehr als 20 Jahre lang bot das ehemalige Autobahnzollamt einen traurigen Anblick (oben), jetzt wurde daraus eine Baustelle.

<p class="caption">Selten einmal löste ein Bagger beim Großteil der Bevölkerung so viel Freude aus wie am ehemaligen Autobahnzollamt.</p>

Selten einmal löste ein Bagger beim Großteil der Bevölkerung so viel Freude aus wie am ehemaligen Autobahnzollamt.

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