„Denkt daran, dass auch ihr jung wart“

Nina Humpeler und Teresa Brückner (v. l.), von der Offenen Jugend­arbeit Dornbirn. Foto: erh

Nina Humpeler und Teresa Brückner (v. l.), von der Offenen Jugend­arbeit Dornbirn. Foto: erh

Das ist der Appell von Nina Humpeler für Toleranz gegenüber Jugendlichen.

Dornbirn. (erh) Es gibt sie. Die ruhigen Momente in der Arena an der Höchsterstraße, wenn sie auch die Ausnahme sind. Einige Jugendliche spielen Tischfußball, andere versuchen ihr Glück beim Billard. Auf dem Eislaufplatz draußen wird trainiert. „Im Moment ist hier noch nicht so viel los“, sagt Jugendarbeiterin Yasemin Polat, die gemeinsam mit Cyrill Troxler am Samstagabend Dienst macht. Das kann sich schnell ändern, denn meistens geht es rund in der Arena, wenn sich bis zu 60 Jugendliche bei diversen Workshops einbringen, im Mädchencafé chillen, Musik machen, Rat einholen oder Ausflüge organisieren.

„Die Arena ist das beste Beispiel dafür, wie gut die Jugendarbeit in Dornbirn funktioniert“, sagt Nina Humpeler, Sozialpädagogin bei der Offenen Jugendarbeit seit 2003. Davon ist übrigens der Chef, Martin Hagen, überzeugt, wie sie anmerkt. Und der streut seinem ganzen Team Rosen. Humpeler bezeichnet die Arena als jenen Ort, wo die Jugendlichen auch laut sein können, ihre Musik hören und einfach sie selbst sein dürfen.

25 Jahre Menschenwürde

Im Vismut erzählen dann Teresa Brückner und Nina Humpeler mehr darüber, was dahinter steckt. Vismut, der Name des Jugendhauses an der Schlachthausstraße, steht für Vision Menschenwürde und Toleranz. Der Name ist seit 25 Jahren Programm und das Jubiläum, für das die Vorbereitungen laufen, wird schon bald gefeiert. Nina hat viel erlebt in ihrem Job als Sozialpädagogin und Leiterin der Jugendberatung. Gerade als Frau ist da oft hartnäckige Zuversicht gefragt, wie sie betont. „Bei uns herrscht Respekt“, benennt die 36-Jährige das gegenseitige Gesprächsklima und hebt mit einem Lächeln die positiven Seiten ihres Berufes hervor. „Danke, dass du so streng mit mir warst“ – Wenn dieser Satz von einem unserer ehemaligen Besucher, mit dem es auch mal so richtig Ärger gab, zurückkommt, hast du alles richtig gemacht“. Apropos Ärger. Natürlich gibt es den auch. Aber die Jugendlichen bekommen im Vismut so viele Chancen, die man manchmal besser nicht zählt, wie sie brauchen, verrät sie. Und von den Erwachsenen erhofft sie sich, dass sie nicht vergessen wie es war, als sie selber jung waren.

Die Herausforderungen in der Jugendarbeit bleiben groß, gerade dann, wenn sich manches ändert. Tolerant sein bedeutet natürlich nicht, dass der Bevölkerung die Probleme von oder mit Jugendlichen egal sein sollen. Im Gegenteil. Es geht um das Hinschauen und um die kritische Auseinandersetzung, wünschen sich Nina und Teresa.

Letztere erzählt auch, dass sich die OJAD seit Dezember 2015 am Projekt „Welcome.Zu.Flucht“ der Offenen Jugendarbeit Vorarlberg erfolgreich beteiligt. Junge Menschen, die auf ihrer Flucht unser Land erreichen, bringen Geschichten mit von Krieg und Gewalt, Unterdrückung und Verletzung der Menschenrechte – und oft haben sie das Gefühl, hier nicht willkommen zu sein.

Die FH Vorarlberg machte zu diesem Projekt mit dem Master Studiengang „Interkulturelle Sozialarbeit“ eine Forschungsarbeit. Die Ergebnisse wurden Ende Jänner vorgestellt. Unter den Besuchern waren neben Studierenden der FHV auch Stadträtin Marie Louise Hinterauer, Stadtrat Guntram Mäser und Elmar Luger vom Jugendreferat Dornbirn.

Birgit Mohr (25) sagt über „Welcome.Zu.Flucht“: „Für mich als Studentin war die Zeit des Forschungsprojekts sehr spannend. Der Prozess, zuerst das theoretisch Gelernte in die Praxis umzusetzen und danach letztendlich die Ergebnisse zu sehen, war wirklich interessant, auch wenn es nicht immer ganz einfach war.“

Und Sebastian Mischitz (27) dazu: „Bei ‚Welcome.Zu.Flucht‘ geht es uns unter anderem darum, Begegnungsräume für Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund zu schaffen. Wir sind der Überzeugung, dass häufiger Kontakt zwischen verschiedenen Gruppen zum Abbau von Vorurteilen führt. Wir haben bei allen Aktivitäten in und außerhalb unserer Jugendhäuser, speziell im Jugendtreff Arena und im Jugendzentrum Vismut, bisher sehr positive Erfahrungen gemacht.“

Weit mehr gibt es noch zu sagen über die Mitarbeiter und die Angebote der Offenen Jugendarbeit Dornbirn. „Etwas ist schon erreicht, wenn sich die Bewohner Dornbirns nur ein wenig dafür interessieren, was wir hier so machen“, sagt Teresa Brückner abschließend und die Botschaft der 24-Jährigen an die Jugendlichen lautet: „Lasst euch nicht entmutigen.“

Weitere Infos unter: ojad.at

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