VN-Heimat-Interview. Barbara Zangerl (28) und Alexander Luger (29)

Vom Reiz in der Senkrechten

Alexander Luger beim Eisklettern in Norwegen, wo er die Route „Stourraniibi“ als Erster beging. Foto: Ray Demski

Alexander Luger beim Eisklettern in Norwegen, wo er die Route „Stourraniibi“ als Erster beging. Foto: Ray Demski

Multivisionsvortrag in Bürs informiert über Vielfalt des Klettersports.

Bürs. (VN-ral) Am Sonntag, 19. Februar, entführen drei Profi-Kletterer mit einem Multivisionsvortrag im Klimmerei Boulderpark auf eine Reise in die Welt des Klettersports – mit dabei Barbara Zangerl und Alexander Luger. Die beiden „zugerasten“ Bludenzer erzählen im VN-Heimat-Interview von ihren Ängsten, Erfahrungen und Hotspots der Region.

Welche Besonderheiten fürs Klettern gibt es in der Region?

ALEXANDER LUGER: Ganz speziell ist hier die Dichte an super Sportklettergebieten. Europaweit berühmt ist zum Beispiel Bürs mit der Bürser Platte sowie das Lorünser Wändle. Es gibt einige Bouldergebiete im Walgau und natürlich die Rätikongruppe, die ebenfalls weltweit bekannt ist.

Und was ist für Sie das Besondere am Klettern?

ALEXANDER LUGER: Klettern ist sehr selbstbestimmend; man ist sein eigener Chef und ist gefordert, extrem auf sich selbst zu hören. Bei Erstbegehungen ist es das Unbekannte, was mich sehr reizt – ein weißer Fleck in der vertikalen Welt, ein Stück Abenteuer.

BARBARA ZANGERL: . . . und es ist vor allem das Gefühl von Freiheit. Beim Klettern gilt es die Alltagsgedanken wegzuschalten. Es gibt keinen Raum für irgendwelche Sorgen; man muss komplett frei sein im Kopf. Jener Fokus, den man beim Klettern bekommt, ist ein einzigartiges Gefühl. Toll ist auch, dass die Sportart so vielfältig ist: vom Fels- und Hallenklettern übers Bouldern – dem Klettern in Absprunghöhe ohne Seil – bis hin zum Klettern im alpinen Bereich.

Hat sich der Sport mittlerweile zu einer Trend-Sportart entwickelt?

BARBARA ZANGERL: Vor allem das Interesse am Bouldern ist extrem gewachsen; gerade auch weil der Zugang dazu einfach ist. Es braucht nur Kletterschuhe, kein Seil oder Sicherungsschein. Auch der soziale Aspekt ist ein Mitgrund – Bouldern ist viel kontaktfreudiger als Alpinklettern. Das Fitnessstudio hat sich zum Teil in die Boulderhalle verlegt.

Wie sieht Ihr Risikomanagement aus – gerade beim Eisklettern?

ALEXANDER LUGER: Eisklettern setzt viel Erfahrung und Auseinandersetzung mit der Materie voraus. Gefahren sind schwieriger einzuschätzen, als es beim Felsklettern der Fall ist. Wichtig ist, alle Faktoren, Umwelteinflüsse zu studieren und in die Tourenplanung mit einzubeziehen, um objektive Gefahren zu minimieren. Ein Restrisiko bleibt aber immer.

Und wie gehen Sie mit Ihrer persönlichen Angst um?

ALEXANDER LUGER: Angst ist oft sehr irrational und unlogisch, aber eben im Empfinden ein echter subjektiver Zustand. Ich versuche, die Angst im positiven Sinne als Wachmacher zu nutzen. Sie kann eine unterstützende Funktion einnehmen, in schwierigen Situationen Entscheidungen sehr klar zu sehen. Beim Klettern geht es darum, diese Angst bzw. Situation zu kontrollieren. Sobald man in der Wand ist, hat Angst in Form von Panik keinen Platz. Das würde lähmen. Daher ist die Vorbereitungsphase so wichtig. Klettern ist ganz viel Kopfsache.

BARBARA ZANGERL: Wenn man eine herausfordernde Route probiert, ist es ja ein langer Prozess. Die einzelnen Passagen werden gut einstudiert, dann ist das Risiko eher abschätzbar. Das Gefühl von Angst ist trotzdem irgendwie immer dabei, das gehört dazu. Aber wichtig ist, sich dann rein aufs Klettern zu fokussieren.

Was erwartet die Besucher bei der Movie Night in der Klimmerei?

BARBARA ZANGERL: Eine Multivision-Show mit spannenden Insider-Informationen, Bildern und Videos. Zum einen werde ich zusammen mit Jacopo Larcher, über unsere Erfahrungen im Yosemite-Nationalpark in Amerika sprechen – dort geht es ums Freiklettern am berühmten El Capitan.

ALEXANDER LUGER: . . . und ich werde über die Bürser Platte, Patagonien und das Eisklettern in Norwegen referieren und berichten. An der Bürser Platte machte ich eine Erstbegehung der Route „Psychogramm“, eine der schwierigsten in unserer Region. Dabei erzähle ich auch, wie die Idee entstand, vom Prozess bis hin zur Erschließung der Route.

Klimmerei Movie Night mit Barbara Zangerl, Jacopo Larcher und Alexander Luger, Sonntag, 19. Februar, um 19.30 Uhr; Tombola um 21.21 Uhr, im Klimmerei Boulderpark, Bürs

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