Gestaltungschance als Motivation

Die Anliegen der Bürser liegen Gemeindeoberhaupt Georg Bucher besonders am Herzen. Foto: VN/ral

Die Anliegen der Bürser liegen Gemeindeoberhaupt Georg Bucher besonders am Herzen. Foto: VN/ral

Auf Gustostück Schulzentrum folgen nun Straßenbau und Hochwasserschutz.

Bürs. (VN-js, ral) Nach 18 Jahren in der Gemeindepolitik übernahm Georg Bucher im November 2013 das Bürgermeisteramt von Helmut Zimmermann. Seither kümmert er sich als umsichtiger Gemeindechef um die Geschicke seiner Heimatgemeinde. Mit dem Neubau des Schulzentrums stand gleich zu Beginn seiner Amtszeit ein Mammutprojekt an. „Ich bereue keinen Cent, den wir in das Schulzentrum investiert haben“, sagt er heute und gibt sich in Hinblick auf künftige Projekte zuversichtlich.

Was hat Sie persönlich dazu bewogen, Bürgermeister zu werden?

Georg Bucher: Ich muss vorwegschicken, dass ich nie Bürgermeister werden wollte. Was mich gereizt hat, war die Tatsache, dass man als Bürgermeister die Linien vorgeben kann. Als Gemeindemandatar war es zwar möglich, eigene Vorstellungen einzubringen, als Bürgermeister kann man aber ganz gezielt Schwerpunkte setzen und die Richtung vorgeben. Natürlich ist auch die Gestaltung des unmittelbaren Lebensumfeldes ein sehr reizvolles Thema. Wenn ich am Morgen ins Büro gehe, sehe ich, was schon passiert ist bzw. was man machen könnte. Die unmittelbare bzw. spürbare Politik ist das reizvolle und interessante an dieser Arbeit.

Was war schlussendlich ausschlaggebend, dass Sie sich doch für das Amt zur Verfügung stellten?

Georg Bucher: Es war eigentlich ein ganz pragmatischer Grund: Ich habe eine Dienstfreistellung von meinem Arbeitgeber, den ÖBB, bekommen. Das war der Grund, warum ich mein Hobby ‚Politik‘ zum Beruf machen konnte. Die Sicherheit, dass ich, falls es bei einer Wahl nicht klappt, wieder zurück in den Beruf kehren kann, gibt mir die Möglichkeit, meinen Weg zu gehen, ohne irgendwelche Wahlausgänge im Hinterkopf zu haben. Wenn es klappt, freut es mich; falls nicht, gehe ich wieder zurück.

Welche Projekte bzw. Themenbereiche liegen Ihnen besonders am Herzen?

Georg Bucher: Wir haben zwei Hochwasserschutzprojekte, die uns schon lange beschäftigen. Der Hochwasserschutz Rosenegg ist seit 1991 ein Thema und geht nur mit kleinen Schritten vorwärts. Ähnlich sieht es beim Alvier-Projekt aus, an dem wir seit acht Jahren arbeiten. Obwohl wir hier immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen haben, liegen mir diese beiden Projekte wirklich sehr am Herzen. Abgesehen von der Sicherheit der Bevölkerung wären im Ernstfall sehr, sehr große Teile der Ortschaft betroffen. Ein weiteres langjähriges Projekt, das mir wichtig ist, ist das Straßenprojekt, das uns seit dem Bau des Zimbaparks im Jahr 2001 beschäftigt. Hier schaut es so aus, als dass das Projekt 2018 gestartet werden kann. Zuvor muss aber die letzte noch ausständige Ablöse unter Dach und Fach gebracht werden.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Georg Bucher: Unsere Schule ist mit Sicherheit ein Vorzeigeprojekt, auf das wir zu Recht stolz sein dürfen. Wir haben hier ganz bewusst nicht gespart und auch die Musikschule wie auch die Vereine eingebunden. Alle zeigen sich vom Raumangebot begeistert, was mich natürlich sehr freut. Auch einige Wasser- und Kanalprojekte wurden im Zusammenhang mit wichtigen Straßenprojekten umgesetzt. Die Mobilitätsumfrage aus dem Jahr 2013 bildet hier immer wieder die Grundlage für neue Projekte. Das Car-Sharing-Auto, das im Vorjahr angeschafft wurde, ist ein Beispiel für einen klaren Wunsch aus der Bevölkerung. Gleichzeitig wurden auch im Energiebereich einige Verbesserungen erzielt. Ich denke hier etwa an die Solaranlagen auf der Schule oder am Sozialzentrum. Ein Drittel des benötigten Stroms wird mit erneuerbarer Energie erzeugt.

Was möchten Sie noch erreichen?

Georg Bucher: Im Bereich des Hochwasserschutzes wäre mein großes Ziel, dass wir bei den beiden Projekten in den nächsten Jahren größere Schritte in Richtung Realisierung setzen können. Auch weitere wichtige Kanal- und Wasserprojekte stehen an. Im Bereich der Straßengestaltung wollen wir den eingeschlagenen Weg mit Gehsteigkanten und LED-Beleuchtung weiterführen.

Ist der soziale Wohnbau ein Thema in Ihrer Gemeinde?

Georg Bucher: Aktuell haben wir 250 gemeinnützige Wohnungen im Ort. Die Nachfrage nach leistbarem Wohnraum ist aber nach wie vor hoch. Wir haben in Bürs rund 2200 Arbeitsplätze. Wer hier arbeitet, möchte früher oder später auch hier wohnen. Da das Bauland immer rarer wird, findet auch in der Bevölkerung ein Umdenken statt. Der teils massive Widerstand gegen größere Wohnbauten hat in den letzten Jahren stark abgenommen. Hier hat das Land mit der Initiative, gemeinnützigen Wohnbau zu fördern, sicher einen positiven Beitrag geleistet. Umso mehr freut es mich, dass die Wohnbauselbsthilfe im Krüzbühelweg eine Anlage mit 60 Wohnungen errichten wird. Der Spatenstich soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Wie sieht es mit den Finanzen aus, haben Sie noch frei verfügbare Mittel?

Georg Bucher: Der Spielraum ist gering. Die nächsten drei Jahren sind sehr knapp kalkuliert. Wir haben noch alte Verbindlichkeiten, die es zu erfüllen gilt. Anfang der 2020er-Jahre bekommen wir dann etwas mehr Spielraum.

Was würden Sie machen, wenn Sie nicht mehr Bürgermeister wären?

Georg Bucher: Dann habe ich, wie gesagt, das Rückkehrrecht bei den ÖBB. Dort habe ich mich zuvor 33 Jahre lang wohlgefühlt. Daher wäre eine Rückkehr dorthin absolut denkbar für mich.

Wordrap

Heimat: Bürs

Lebensglück: Familie, Gesundheit

Politikverdrossenheit: im Dorf nicht spürbar

Lieblings-Mundartwort: Goht scho

Freunderlwirtschaft: Gibt es, aber nicht in Bürs

Lebensqualität: Das, was wir hier haben, näheres Umfeld, Freunde, Vereine, Freizeit

Lieblingsplatz: Bürser Schlucht

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