Die Stadt Bregenz ist weiblich

Über Bregenzer Originale berichtete Stadtarchivar Thomas Klagian. fotos: fst

Über Bregenzer Originale berichtete Stadtarchivar Thomas Klagian. fotos: fst

Traditioneller Neujahrsempfang für die Bregenzer Vereine im Festspielhaus.

BREGENZ. (Fst) Im Bregenzer Stadtrat sind die Männer in der Unterzahl: Sechs Frauen stehen drei Männern, einschließlich Bürgermeister, gegenüber, aber nicht nur im Stadtrat haben die Frauen die Mehrheit: Von den 28.497 Bregenzern, die ihren Hauptwohnsitz in der Landeshauptstadt haben, sind 47,9 Prozent Männer und 52,1 Prozent Frauen.

Das und noch viel mehr erfuhren die Gäste des traditionellen Bregenzer Neujahrsempfangs am Dreikönigstag im Festspielhaus. Andreas Marte und Christoph Skofic hatten sich die Frage gestellt „Wie tickt Bregenz?“ und alle verfügbaren Daten über Bregenz in einem Film zusammengefasst, der beim Neujahresempfang seine Premiere hatte.

Allerdings: Glaubt man dem Film, dann rutscht Bregenz bedenklich ab: Noch vor Kurzem lag die Landeshauptstadt 396 Meter über dem Meeresspiegel der Adria – laut Film sind es jetzt nur mehr 306 Meter.

Bregenzer Originale

Stadtarchivar Thomas Klagian widmete dann seinen viel zu kurzen Vortrag Bregenzer Originalen. Dass es in früheren Zeiten mehr Originale gegeben haben soll, das täuscht, meint der belesene Archivar: Bregenz zählte im 19. Jahrhundert gerade einmal 3000 Einwohner. „Da kannte man sich halt und auch die Moritaten seiner Nachbarn.“

Der Stadtsaal im Festspielhaus war bis auf den letzten (Steh-)Platz gefüllt, als die Stadtkapelle Bregenzer Vorkloster gemeinsam mit dem Jugendblasorchester „Fun by Klang“ unter der Leitung von Thomas Gertner die Veranstaltung musikalisch eröffnete. Wie es der Tradition des Bregenzer Neujahresempfangs entspricht, stehen nicht Vorträge bekannter Fachleute im Mittelpunkt der Veranstaltung, sondern die Bregenzer Vereine, denen mit diesem Empfang für die im abgelaufenen Jahr geleistete Arbeit gedankt wird.

„Wie tickt Bregenz?“

In seiner Neujahrsansprache nahm Bürgermeister Markus Linhart Bezug auf den Film „Wie tickt Bregenz?“ Bezug: „Der Film stellt die zentrale Frage, was die Menschen dazu bewegt, hier in dieser Stadt zu wohnen und einen großen Teil ihrer Freizeit hier zu verbringen.“ Die Antwort darauf: „Neben den familiären Bindungen und der einmaligen Lage am See ist es vor allem die hohe Lebensqualität, die den Ausschlag gibt. Aber Lebensqualität entsteht nicht von selbst. Sie wird geschaffen.“

Natürlich vergaß das Stadtoberhaupt nicht darauf hinzuweisen, was in den letzten Jahren in Bregenz alles Realität geworden ist: der Kornmarktplatz, der Hafen, der Ausbau der Pipeline. Stolz ist Linhart auf die größte Baustelle in Bregenz: die Schule Schendlingen, die Vorbildwirkung hat.

Schule bis Herbst fertig

„Und wir hatten den bildungspolitischen Ehrgeiz, die Ersten in Vorarlberg zu sein, die eine moderne Schule für Sechs- bis 14-Jährige bauen – keine gewöhnliche Unterrichtsstätte, sondern einen neuen Lern- und Lebensort mit Clustern, also die kleine Schule, die auf die jeweiligen besonderen Anforderungen und Notwendigkeiten reagiert als Teil der großen, ganzen Schule; mit ganztägiger Betreuung und mehr Chancengerechtigkeit für alle. Heuer im Herbst ist die neue Schule bezugsfertig.“ Keine Klasse wird mehr einen eigenen Klassenraum haben. Stattdessen teilen sich jeweils drei Klassen einen Cluster. Diese sind 400 m2 groß und bestehen aus mehreren Räumen, die zu einem zentralen Gemeinschaftsraum hin offen sind.

Seestadt: „Spannend“

Wenn man 2016 Revue passieren lässt, dann kommt man aber auch an einem zentralen Thema nicht vorbei: die Seestadt, die derzeit wieder Schlagzeilen macht. „Die Seestadt, ist ein – wie soll ich sagen – spannendes Projekt. Spannend, weil es von Experten entwickelt, aufgrund der breiten Zustimmung auf allen Ebenen in den politischen Gremien mit großer Einmütigkeit beschlossen und von anderen Experten jetzt infrage gestellt wird. Wie gesagt: spannend“, so Linhart zu den aktuellen Diskussionen, und er stellt, fest „dass die Seestadt ja nicht mein Projekt ist“.

Veränderungen zulassen

Viele stellen sich zum Jahreswechsel die Frage: Was wird die Zukunft bringen? Diese Frage kann natürlich auch Bürgermeister Linhart nicht beantworten. Aber er zitiert ein chinesisches Sprichwort: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen. Die Welt wandelt sich, unsere Gesellschaft wandelt sich und der Wind bläst zum Teil scharf in verschiedene Richtungen. Keine Schutzmauer gibt hundertprozentigen Schutz. Eine Windmühle aber nutzt den Wind für sich, baut damit Neues. Windmühlen bauen heißt also, Veränderungen – die ohnedies nicht zu verhindern sind – zuzulassen, die Offenheit haben“ und er zitiert Sir William Ward, (1837–1924). „Der Pessimist klagt über den Wind, der Optimist hofft, dass er dreht, der Realist richtet das Segel nach dem Wind aus.“

Nur wer weiß, wohin er will, wird aber auch die Segel richtig setzen können, und das Boot wird nur dann den richtigen Kurs segeln können, wenn die gesamte Crew auf diesen Kurs ausgerichtet ist. „Gegen den Wind geht es nicht, auch nicht in einer Stadt, das ist wie der Kopf, der nicht durch die Wand kommt. Es geht nur mit Toleranz in der Auseinandersetzung, gegenseitigem Respekt und mit der festen gemeinsamen Absicht, das Segel ‚Stadt‘ auf den Kurs ‚Gemeinwohl‘ zu setzen.“ In diesem Sinne formulierte er seine Glückwünsche: „Möge 2017 für Sie von vielen Erfolgen und insbesondere von Gesundheit und Zufriedenheit geprägt sein.“

Nach dem Radetzkymarsch hieß es dann: Der Sturm aufs Buffet kann beginnen. Und dieses Mal gab es keine unzufriedenen Gesichter, so vielfältig und für jeden Geschmack das Passende anbietend, war das Buffet noch nie.

<p class="caption">Im Mittelpunkt der Veranstaltung: Die Neujahrsansprache des Bürgermeisters Markus Linhart.</p>

Im Mittelpunkt der Veranstaltung: Die Neujahrsansprache des Bürgermeisters Markus Linhart.

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